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Forderung an Senat: Kein Brechmitteleinsatz unter Gewalt!

PRESSESTELLE
DER HAMBURGER ÄRZTESCHAFT

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PRESSE-INFORMATION         


Hamburger Ärztekammer bekräftigt Kritik am Vorgehen gegen Drogendealer

Forderung an Senat: Kein Brechmitteleinsatz unter Gewalt!

Der Präsident der Ärztekammer Hamburg, Dr. Frank Ulrich Montgomery, hat den Hamburger Senat aufgefordert, die gewaltsame Verabreichung von Brechmitteln an Drogendealer unverzüglich zu beenden. Der Fall des 19jährigen Afrikaners, der am Wochenende nach der Gabe von lpecacuanha-Sirup unter Gewalt mit Herzstillstand zusammengebrochen war, bestätige die grundsätzliche Kritik der Ärztekammer an dem Vorgehen, das aus ärztlicher Sicht nicht zu verantworten sei, sagte Montgomery.

Der Ärztepräsident verwies auf eine Entschließung, die von der Versammlung der Ärztekammer Hamburg, dem gewählten Parlament der Hamburger Ärzteschaft, im Oktober mit großer Mehrheit verabschiedet worden war. Darin sprechen sich die Hamburger Ärztinnen und Ärzte gegen den ärztlichen Einsatz an Drogendealern unter Zuhilfenahme von Gewalt aus. "Unter ärztlichen Gesichtspunkten ist die Vergabe von Brechmitteln gegen den Willen des Betroffenen nicht zu vertreten", heißt es in dem Kammerbeschluss. Der Grund für die kritische Bewertung liegt in den gesundheitlichen Gefahren, die die Ärzte in einer gewaltsamen Verabreichung von Brechmitteln über eine Nasensonde sehen.

Das Ärzteparlament hatte in seinem Beschluss zudem erklärt, die Gabe eines Brechmittels sei "nur bei qualifizierter Notfallbereitschaft mit dem ärztlichen Berufsethos vereinbar". Sollte der Senat nicht auf den zweifelhaften Einsatz verzichten wollen, so kommt für Kammerpräsident Montgomery künftig nur ein ärztlicher Eingriff auf einer klinischen Station in Betracht. "Der tragische Vorfall vom Wochenende zeigt, dass eine unverzügliche medizinische Nothilfe möglich sein muss. Schließlich sind auch Drogendealer Menschen und in diesem Fall unsere Patienten", postulierte Montgomery."ln einem Institut, das nicht auf die Akutversorgung von Patienten ausgerichtet ist, sind die notwendigen Voraussetzungen dafür nicht vorhanden."

Grundsätzlich verwies der Hamburger Ärztepräsident erneut auf die Unabhängigkeit des ärztlichen Handelns. "Kein Arzt und keine Ärztin darf von welcher Seite auch immer zu seiner Beteiligung an solchen polizeilichen Maßnahmen gezwungen werden", betonte Frank Ulrich Montgomery. Dieser Feststellung hatte die Ärztekammer-Versammlung im Oktober einstimmig zugestimmt.

Pressestelle der Ärztekammer Hamburg TeL: 040122 802 434

verantwortlich: Wolfram Scharenberg

10.12.2001