Tod durch Brechmitteleinsatz - ein Jahr danach:

Kommt zur Trauerkundgebung am Montag, den 9.12.02 -- 17 Uhr
vor dem Haupteingang des UKE, Martinistr. 52!
Vor einem Jahr, am 9.12.2001, wurde ein junger Afrikaner, der sich Achidi John nannte, nach seiner Festnahme wegen des Verdachts des Drogenhandels in das Institut für Rechtsmedizin des UKE gebracht. Dort sollten ihm „zum Zweck der Beweissicherung“ Brechmittel verabreicht werden. Achidi John brach schon beim Anblick des Behandlungsraums das erste Mal zusammen. Nachdem er in den Raum hineingeschleift worden war, wehrte er sich panisch gegen den Brechmitteleinsatz, fiel zu Boden und schrie: „I will die, I will die!“ („Ich werde sterben!“).

Die verantwortliche Ärztin, Prof. Dr. Ute Lockemann, verzichtete auf "eingehende Untersuchungen", entschied, ihm das Brechmittel dennoch einzuflößen und orderte Polizeiverstärkung. Fünf Polizisten hielten den jungen Mann, der während der gesamten Tortur gefesselt war, schließlich auf dem Boden des Untersuchungsraumes fest.

Zweimal schlug der Versuch, ihm eine Magensonde einzuführen, fehl. Beim dritten Mal gelang es der Ärztin, die Sonde durch die Nase einzuführen, und 30 ml desBrechmittels Ipecacuanha sowie 800 ml Wasser einzuflößen. Noch währenddessen verkrampfte sich der Körper des Achidi John, er nässte ein und blieb danach reglos liegen. Die Ärztin deutet dies als "Simulation".

Es dauerte noch mehrere Minuten bevor zunächst eine Studentin, dann die Ärztin Rettungsmaßnahmen einleiteten. Prof. Dr. Lockemann brach diese Maßnahmen nach kurzer Zeit ab und ließ den Sterbenden mit der Studentin und den Polizeibeamten allein, um selbst das Rettungsteam des UKE zu informieren. Erst den herbeigerufenen Notärzten gelang es, Achidi Johns Herztätigkeit zu aktivieren. Sein Herz schlug, bis sein Tod am 12. Dezember 2001 festgestellt und die intensivmedizinischen Geräte abgestellt wurden.

Trotz zahlreicher Strafanzeigen weigert sich die Staatsanwaltschaft Hammburg bis heute, ein Ermittlungsverfahren gegen die verantwortliche Ärztin und die beteiligten Polizeibeamten einzuleiten, die an dem Brechmitteleinsatz gegen Achidi John beteiligt waren.

Sie hat - gegen die Regeln der Strafprozessordnung - lediglich sogenannte “ Vorermittlungen “ geführt und die Akte inzwischen geschlossen. Die in Nigeria lebenden Eltern des Opfers haben die Hamburger Rechtsanwältin Gabriele Heinecke mit der Wahrnehmung ihrer Interessen beauftragt. Sie kämpft um ein reguläres Ermittlungsverfahren.

Das UKE macht weiter...

Schon einen Tag nach dem Tod Achidi Johns, am 13. Dezember 2001 wurden im Institut für Rechtsmedizin am UKE die Brechmitteleinsätze fortgeführt und über 150 weitere Einsätze seitdem vollzogen.

Die Bürgerschaft hat gerade 50.000 Euro für "gesonderte Räumlichkeiten für den Einsatz von Brechmitteln" bewilligt. Damit soll im Institut für Rechtsmedizin eine "Quasi-Öffentlichkeit" ausgeschlossen werden ("Hamburger Morgenpost" vom 21.09.2002).

Das UKE missachtet damit mehrere Beschlüsse der Hamburger Ärztekammer und des Deutschen Ärztetages, nach denen Brechmitteleinsätze gegen den Willen der Betroffenen ärztlich nicht zu vertreten sind. Es missachtet auch die Proteste des medizinischen Personals ( Ärzte und Pflegekräfte), das die Einsätze aus medizinischen und ethischen Gründen ablehnt.

Die staatliche Anordnung der Brechmitteleinsätze ist Aufforderung zur Folter!
  1. Sofortige Einstellung der Brechmitteleinsätze am Institut für Rechtsmedizin des UKE und anderswo!
  2. Strafrechtliche Ermittlungen gegen alle Beteiligten an dem Brechmitteleinsatz, der zum Tod von Achidi John führte!

v.i.S.d.P.: Mark Müller, Kampagne gegen Brechmitteleinsätze c/o Flüchtlingsrat Hamburg, Hein-Köllisch-Platz 12, 20359 Hamburg, e-mail: KGB-Info@gmx.net